Therapie - Sapho

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Therapie

Prof.Dr.F. Schilling

Eine spezifische Medikation für das SAPHO Syndrom gibt es nicht. Die medikamentöse Therapie aller SAPHO-Fälle ist zunächst und prinzipiell nach rheumatologischen Gesichtspunkten antiphlogistisch ausgerichtet, also mit der Verordnung von sog. Antirheumatika und Basistherapeutika wie Sulfasalazin; im Allgemeinen in der Bedarfsdosierung und natürlich unter Beachtung der "Nebenwirkungen" (8,19,21,28,29,30,31,36,71). Kortisonpräparate sollten nur selten, nur im Notfall und dann nur kurz stoßweise eingebracht werden, da sie auf Dauer "unentbehrlich" werden können und dann mit Gefahr verbunden sind. Rheumatologische Versuche mit verschiedenen immunmodulatorischen Basistherapeutika, und bereits mit TNF-alpha-Blockern (99) sind bekannt gegeben worden, am häufigsten die Behandlung mit Methotrexat (27). Die Erfolge sind schwer zu beurteilen, da kontrollierte Studien fehlen. Die SAPHO-Therapie ist also bislang eine "symptomatische", nicht "kausal" begründbar.

Für alle SAPHO - Krankheitsfälle ist die inter-disziplinäre, also die kooperative Zusammenarbeit des Rheumatologen mit Orthopädie und Hautarzt verpflichtend. Operative Eingriffe sind nur selten, z.B. im Bereich der Wirbelsäule erforderlich; eine Spondylitis operativ auszuräumen ist heutzutage aber nahezu ein Kunstfehler. Metaphysäre Spontanfrakturen an Röhrenknochen kommen selten zwar vor (3,68), heilen aber unter konservativ orthopädischer Beobachtung wieder spontan aus.

Die Behandlung der pustulösen Hautkrankheit, die überwiegend psoriatischer Natur ist, erfordert die entsprechenden Externa. Dies gilt auch für die schwergradigen Formen der Akne, die extern und auch systemisch medikamentös auf Retinoide anspricht und dies auch einschließlich der osteo-artikulären Komplikationen. Die Acne fulminans kann zum medikamentösen Notfall werden.

Für alle SAPHO-Krankheitsfälle gilt auch die auf Dauer verpflichtende physikalische Therapie. Es gelten die Prinzipien der Physiotherapie.




Für die CRMO kamen bislang immer die Versuche mit Antibiotika hinzu, unter der Meinung, auch dieser Osteomyelitis lägen Infekte zugrunde. Diese Therapierichtung hat aber versagt, was noch nicht genügend beachtet wird und zur unnötigen und ggf. riskanten Belastung des Patienten führt. Eine interessante Ausnahme aber hat seit 6 Jahren zu einer anspruchsvollen Entwicklung geführt, die möglicherweise basistherapeutischen Charakter hat, nämlich der Einsatz der an sich antibiotischen Medikamentengruppe, die Makrolide genannt werden, zunächst unter der Annahme, das Propionibakterium acnes könne eine ätiologische Rolle spielen (98). Wir hatten nämlich aufgrund erstaunlicher Erfolge mit Azithromycin bei der CRMO einen nicht antibiotischen, sondern einen antiphlogistischen oder gar immunmodulatorischen Effekt klinisch angenommen und dann therapeutisch ausgebaut (77).Dieses klinische Postulat hat sich inzwischen experimentell sowie auch bereits klinisch mit vielfachen Beweisen als richtig erwiesen (46), so dass wir jetzt die Langzeittherapie mit Azithromycin (bei Unverträglichkeit Clarithromycin) für die Medikation der ersten Wahl bei der CRMO empfehlen, und dies auch bereits mit deutlichem Erfolg bei 10 Kindern und Jugendlichen.

Gleichzeitig fanden wir ein hormonelles Behandlungsprinzip der primär chronischen Osteomyelitis (CRMO) mit dem die Knochensubstanz stabilisierenden Calcitonin, dessen osteotrope Wirkung Knochenschmerz lindert, die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) hemmt und damit den Knochenaufbau (Osteoblasten) anregt und auch gegen die Knochenentzündung wirksam ist. Allein mit einer mehreren Monate langen Calcitonin-Therapie konnten wir mehrere Krankheitsfälle überdurchschnittlich schnell von Schmerzen befreien und funktionell normalisieren (74). Wir geben viermal wöchentlich 100 Einheiten subkutan bei Erwachsenen. Auch bei Kindern ist dieser Einsatz komplikationslos und erfolgreich geglückt, und zwar durch Nasenspray in der halben Dosis (82). Die Calcitonin-Therapie wird in letzter Zeit in schwierigen Fällen abgelöst durch Bisphosphonate, prinzipiell mit gleichartigem Wirkmechanismus, entweder Alendronat 70 einmal pro Woche oder Pamidronat-Infusion. Es gibt bereits Erfolgsmeldungen (24,51,96).
Seit 4 Jahren haben wir beide Behandlungsprinzipien, die antiphlogistisch- immunmodulatorische und die hormonell-osteotrope zu einer alternierenden Kombinations-Langzeittherapie verbunden und damit bereits bei 16 Kindern und Jugendlichen sowie 4 Erwachsenen gute bis sehr gute Erfolge erzielt, bei wenig Nebenwirkungen und in den meisten Fällen bereits kernspintomographisch als Erfolg dokumentiert. Wir empfehlen, diese risikoarme Behandlung der CRMO als erste Medikation versuchsweise beim SAPHO - Syndrom einzusetzen; und weiterhin ist die Planung einer multizentrischen Studie zur Evaluation dieser Basistherapie der CRMO im Rahmen des SAPHO- Syndroms dringend erforderlich.




 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü